Essen in der HO-Gaststätte – Was stand auf der Speisekarte?
Wer in der DDR essen gehen wollte, kam an den drei Buchstaben HO kaum vorbei. Die Handelsorganisation betrieb nicht nur Verkaufsstellen, Hotels und andere Einrichtungen, sondern auch zahlreiche Gaststätten, Cafés und Restaurants. Für viele Menschen gehörte ein Besuch in einer HO-Gaststätte zu besonderen Anlässen: zum Sonntagsausflug, zum Geburtstag, zur Jugendweihe, zu einer Familienfeier oder einfach dann, wenn man sich einmal etwas gönnen wollte.

Bis heute erinnern sich viele erstaunlich genau daran, was damals auf dem Teller lag. Namen wie Soljanka, Würzfleisch, Steak au four, Broiler, Rouladen, Gulasch, Bauernfrühstück oder Jägerschnitzel lösen bei manchen sofort Bilder aus. Man sieht den Gastraum wieder vor sich, erinnert sich an die Tischdecken, das Geschirr, den Geruch aus der Küche und vielleicht sogar an die Frage, ob das Wunschgericht an diesem Tag tatsächlich noch verfügbar war.
Doch wie sah eine Speisekarte in einer HO-Gaststätte wirklich aus? Gab es überall dieselben Gerichte? War die Auswahl eher klein oder doch größer, als man heute manchmal denkt? Und welche Speisen sind besonders stark im Gedächtnis geblieben?
Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Was war eigentlich eine HO-Gaststätte?
Die Abkürzung HO stand für Handelsorganisation. Sie war ein staatliches Handelsunternehmen der DDR und betrieb neben Geschäften auch gastronomische Einrichtungen. Unter dem Begriff HO-Gaststätte sollte man sich allerdings nicht einen einzigen, immer gleich aussehenden Gaststättentyp vorstellen.
Es gab einfache Speisegaststätten mit überschaubarer Karte, aber ebenso größere Restaurants, Cafés, Ausflugslokale, Hotelrestaurants und Spezialitätenrestaurants. Dementsprechend unterschiedlich konnten Ausstattung, Preisniveau, Service und Speisenangebot ausfallen.
Eine kleine Gaststätte auf dem Land war natürlich nicht mit einem großen Restaurant in Leipzig, Dresden, Rostock oder Berlin vergleichbar. Auch innerhalb einer Stadt konnten sich die Häuser deutlich unterscheiden. Manche waren eher schlicht, andere durchaus festlich eingerichtet. Manche lebten von einer kleinen Stammkarte, andere boten eine deutlich größere Auswahl.
Deshalb ist es wichtig, bei der Erinnerung an die DDR-Gastronomie nicht alles über einen Kamm zu scheren.
Die eine typische HO-Gaststätte gab es nicht.
Es gab viele verschiedene Formen, und genau das macht das Thema so interessant.
Von der einfachen Speisegaststätte bis zum Spezialitätenrestaurant
Ein großer Teil der HO-Gastronomie bestand aus klassischen Speisegaststätten, in denen man relativ unkompliziert und vergleichsweise preiswert essen konnte. Daneben gab es aber auch Restaurants mit einem deutlich spezielleren Profil.
Besonders interessant waren die sogenannten Spezialitätenrestaurants, in denen beispielsweise Gerichte aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien oder der Sowjetunion angeboten wurden. Dadurch fanden verschiedene osteuropäische Einflüsse ihren Weg auf die Speisekarten und später teilweise auch in die Alltagsküche.
Viele Speisen, die heute automatisch mit der DDR verbunden werden, haben ihre eigentlichen Wurzeln deshalb gar nicht ausschließlich dort. Die Soljanka ist dafür wahrscheinlich das bekannteste Beispiel. Sie stammt aus der osteuropäischen beziehungsweise russischen Küche, wurde in der DDR aber so populär, dass sie bis heute von vielen als typisches ostdeutsches Gericht wahrgenommen wird.
Auch Letscho, Gulasch, Paprikagerichte und verschiedene kräftige Fleischspeisen zeigen, wie stark sich Küchen gegenseitig beeinflussen können.
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Was stand auf der Speisekarte einer HO-Gaststätte?
Eine Speisekarte konnte ähnlich aufgebaut sein wie heute. Es gab Vorspeisen und Suppen, kleine Gerichte, Eierspeisen, Fleischgerichte, Fischgerichte, Geflügel, Beilagen, Salate, Desserts und Getränke.
Natürlich war die konkrete Auswahl von Gaststätte zu Gaststätte unterschiedlich. Eine einfache Speisegaststätte konnte mit wenigen Hauptgerichten auskommen, während größere Restaurants eine deutlich umfangreichere Karte boten.
Auch die Verfügbarkeit spielte eine Rolle. Ein Gericht, das auf der Karte stand, musste nicht automatisch den ganzen Tag über erhältlich sein. Wer damals regelmäßig essen ging, kennt vielleicht noch den Satz:
„Haben wir heute nicht.“
Das gehörte zur Realität genauso dazu wie ein hervorragendes Steak au four oder eine richtig gute Soljanka.
Suppen und Vorspeisen
Soljanka – eine Suppe, die geblieben ist

Kaum ein Gericht wird heute so stark mit der DDR-Gastronomie verbunden wie die Soljanka. Dabei wurde sie selbstverständlich nicht in der DDR erfunden. Ihre Wurzeln liegen in der osteuropäischen Küche. In den Gaststätten der DDR entwickelte sie sich jedoch zu einer ausgesprochen beliebten Suppe.
Je nach Rezept konnte Soljanka mit Fleisch, Wurst, Fisch oder einer Mischung verschiedener Zutaten zubereitet werden. Häufig kamen saure Gurken, Zwiebeln, Tomatenmark, Paprika und Gewürze hinzu. Serviert wurde sie gern mit einer Scheibe Zitrone und einem Klecks saurer Sahne.
Gerade bei diesem Gericht zeigt sich sehr schön, wie unterschiedlich Erinnerungen sein können. Der eine schwört darauf, dass unbedingt Jagdwurst hineingehört, der nächste kennt die Suppe nur mit Fleisch, ein anderer wiederum erinnert sich an Fischsoljanka.
Das erklärt auch, warum heute fast jeder zu wissen glaubt, wie eine „richtige Soljanka“ schmecken muss, obwohl es tatsächlich zahlreiche Varianten gab.
Würzfleisch – klein, heiß und kräftig

Ein weiteres Gericht, das viele sofort mit DDR-Gaststätten verbinden, ist Würzfleisch. Es wurde häufig in einer kleinen feuerfesten Form serviert, mit Käse überbacken und sehr heiß auf den Tisch gebracht.
Dazu gehörten für viele unbedingt Toastbrot, Zitrone und Worcestersauce.
Und gerade bei der Worcestersauce gingen die Geschmäcker auseinander. Manche nahmen nur ein paar Tropfen, andere verwandelten das Würzfleisch beinahe in eine kleine Suppe. 😄
Würzfleisch war ein gutes Beispiel dafür, wie traditionelle Gerichte an die verfügbaren Zutaten angepasst wurden. Es erinnert an Ragout fin, ist aber nicht einfach dasselbe Gericht unter anderem Namen.
Würzfleisch und Ragout fin – wo liegt der Unterschied?
Das klassische Ragout fin wird traditionell mit feinerem Fleisch, insbesondere Kalbfleisch, verbunden. Würzfleisch entwickelte sich dagegen zu einer eigenständigen, alltagstauglicheren und preiswerteren Variante.
Dadurch wurde es besonders populär. Für viele gehörte es praktisch selbstverständlich zu einem Restaurantbesuch dazu.
Bis heute steht Würzfleisch in zahlreichen ostdeutschen Gaststätten wieder auf der Karte. Das zeigt, wie langlebig manche Gerichte sind.
Hauptgerichte in der HO-Gaststätte
Steak au four – für viele das typische Gaststättengericht

Wenn es ein Gericht gibt, das besonders stark mit einem Restaurantbesuch in der DDR verbunden wird, dann ist es Steak au four.
Die Grundlage war meist ein Schweinesteak. Darauf kam Würzfleisch, anschließend wurde das Ganze mit Käse überbacken. Das Ergebnis war deftig, sättigend und ganz sicher nichts für jemanden, der an diesem Tag nur einen kleinen Salat essen wollte.

Gerade diese Kombination aus Fleisch, Würzfleisch und Käse machte das Gericht so beliebt. Als Beilage konnten je nach Gaststätte Kartoffeln, Pommes frites, Kroketten oder Gemüse serviert werden.
Bis heute findet man Steak au four in verschiedenen ostdeutschen Restaurants. Manche Gerichte haben die DDR also nicht nur überlebt, sondern sind inzwischen fast zu einem Stück regionaler Esskultur geworden.
Schweinesteak in verschiedenen Varianten
Das Schweinesteak war überhaupt ein fester Bestandteil vieler Speisekarten. Durch unterschiedliche Soßen, Auflagen und Beilagen konnte daraus immer wieder ein anderes Gericht entstehen.
Sehr beliebt waren Varianten mit Letscho, Paprika, Zwiebeln oder kräftigen Soßen. Besonders Letscho zeigt wieder den Einfluss der ungarischen Küche. Die Mischung aus Paprika, Tomaten und Zwiebeln passte gut zu Fleischgerichten und wurde deshalb gern verwendet.
Gerade bei solchen Gerichten merkt man, wie sehr sich regionale deutsche Küche und Einflüsse aus anderen Ländern vermischten.
Natürlich gab es auch ganz normale Schnitzel
Bei kaum einem Thema entstehen heute so schnell Missverständnisse wie beim Wort Schnitzel.
Deshalb muss man eines ganz deutlich sagen:
Natürlich gab es in der DDR auch ganz normale Schnitzel aus Schweinefleisch.
Schweineschnitzel, Koteletts und andere klassische Fleischgerichte gehörten selbstverständlich zur Gastronomie. Das bekannte DDR-Jägerschnitzel aus Jagdwurst war lediglich eine zusätzliche, eigenständige Variante.
Es wäre also falsch, heute den Eindruck zu erwecken, jede Form von Schnitzel habe damals automatisch aus Jagdwurst bestanden.
DDR-Jägerschnitzel aus Jagdwurst

Trotzdem darf das bekannte Jägerschnitzel aus Jagdwurst in diesem Artikel nicht fehlen.
Dafür wurde eine dickere Scheibe Jagdwurst paniert und gebraten. Dazu gab es häufig Nudeln oder Spirelli mit Tomatensoße.
Das Gericht war einfach, preiswert und schnell zuzubereiten. Gerade deshalb fand man es nicht nur in Gaststätten, sondern auch in Schulküchen und Kantinen.
Heute ist das DDR-Jägerschnitzel fast schon ein Kultgericht. Und die Frage, was nun ein „richtiges Jägerschnitzel“ sei, kann zwischen Ost und West erstaunlich schnell zu einer längeren Diskussion führen.
Dabei ist die Lösung eigentlich ganz einfach:
Es sind schlicht zwei unterschiedliche Gerichte mit demselben Namen.
Rouladen – deftige Hausmannskost

Auch Rinderrouladen gehörten zur klassischen Küche und wurden selbstverständlich in DDR-Gaststätten serviert.
Gefüllt mit Zutaten wie Zwiebeln, Speck und Gewürzgurke wurden sie geschmort und mit einer kräftigen Soße serviert. Dazu passten Rotkohl, Kartoffeln oder Klöße.
Rouladen waren für viele eher ein Gericht für einen besonderen Anlass. Sie gehörten zu den Speisen, die man gern an einem Sonntag, bei einem Familienessen oder zu einer Feier bestellte.
Gerade solche Gerichte zeigen, dass die DDR-Küche nicht 1949 komplett neu erfunden wurde. Vieles basierte auf älteren deutschen und regionalen Küchentraditionen, die einfach weitergeführt wurden.
Gulasch – ein Dauerbrenner

Auch Gulasch durfte auf vielen Speisekarten nicht fehlen.
Das Gericht hatte längst seinen festen Platz in der mitteleuropäischen Küche gefunden. Fleisch, kräftige Soße und eine sättigende Beilage – damit konnte man wenig falsch machen.
Dazu wurden je nach Gaststätte Kartoffeln, Nudeln, Klöße oder Gemüse gereicht.
Gulasch war unkompliziert, herzhaft und eignete sich hervorragend für die Zubereitung in größeren Mengen. Deshalb war es nicht nur in Gaststätten, sondern auch in Kantinen und Gemeinschaftsküchen beliebt.
Broiler – wenn es Hähnchen gab

Warum hieß das Brathähnchen eigentlich Broiler?
Ein Wort, das bis heute fast automatisch mit der DDR verbunden wird, ist Broiler.
Gemeint war ein Masthähnchen beziehungsweise das daraus zubereitete Brathähnchen. Es gab sogar spezielle Broilergaststätten, in denen sich ein großer Teil des Angebots rund um Hähnchengerichte drehte.
Ein knuspriger Broiler mit Beilage war für viele ein richtiges Lieblingsessen. Je nach Restaurant kamen Kartoffeln, Pommes frites, Salat oder Brot dazu.
Auch heute versteht im Osten wahrscheinlich fast jeder sofort, was mit einem Goldbroiler gemeint ist.
Das Wort selbst ist damit fast genauso langlebig wie das Gericht.
Fisch stand ebenfalls auf der Karte
Wenn heute über DDR-Gaststätten gesprochen wird, stehen meist Fleischgerichte im Mittelpunkt. Dabei gehörte natürlich auch Fisch zum Angebot.
Je nach Region und Restaurant gab es beispielsweise Fischfilet, gebratenen Fisch, Fischsoljanka oder andere Fischgerichte.
Besonders an der Ostseeküste und in entsprechenden Spezialitätenrestaurants spielte Fisch eine größere Rolle.
Auch das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man die DDR-Gastronomie nicht auf Soljanka, Schnitzel und Broiler reduzieren sollte. Das tatsächliche Angebot konnte wesentlich vielfältiger sein.
Internationale Einflüsse auf der Speisekarte
Ungarische Küche
Besonders deutlich waren die Einflüsse der ungarischen Küche. Gerichte mit Gulasch, Paprika und Letscho waren beliebt und fanden ihren festen Platz auf vielen Speisekarten.
Kräftige Gewürze, deftige Fleischgerichte und Gemüse passten gut zum damaligen Geschmack.
Einige dieser Speisen sind heute so selbstverständlich geworden, dass man kaum noch darüber nachdenkt, woher sie ursprünglich kamen.
Sowjetische und osteuropäische Küche
Auch Einflüsse aus der sowjetischen und osteuropäischen Küche waren sichtbar.
Die Soljanka ist dabei das bekannteste Beispiel. Aber auch andere Suppen, Fleischgerichte und Spezialitäten fanden ihren Weg in Kochbücher und Restaurants.
In größeren Städten gab es Restaurants, die sich bewusst auf bestimmte Nationalküchen konzentrierten.
Für viele Gäste war das eine Möglichkeit, Gerichte kennenzulernen, die zu Hause sonst vielleicht nie auf den Tisch gekommen wären.
Rumänische, bulgarische und andere Spezialitäten
Auch rumänische und bulgarische Gerichte waren vertreten. Solche Restaurants boten nicht nur Essen, sondern für viele Gäste auch ein kleines Stück Ferne.
Gerade heute sind solche alten Speisekarten besonders spannend, weil sie zeigen, wie vielfältig die gastronomischen Einflüsse tatsächlich waren.
Viele dieser Rezepte sind inzwischen beinahe vergessen. Umso interessanter ist es, sie wiederzuentdecken.
Kleine Gerichte für den schnellen Hunger
Nicht jeder Gast wollte ein großes Mittagessen.
Auch für den kleineren Hunger gab es genügend Möglichkeiten. Dazu gehörten beispielsweise Bockwurst, Bratwurst, Buletten, Strammer Max, Bauernfrühstück, Eierspeisen, belegte Brote oder kalte Platten.
Solche Gerichte waren unkompliziert, sättigend und konnten relativ schnell serviert werden.
Gerade ein Bauernfrühstück war ideal, wenn man richtig Hunger hatte. Kartoffeln, Ei, Zwiebeln und je nach Rezept Speck oder Schinken machten daraus eine kräftige Mahlzeit. Eine Gewürzgurke dazu – und viel mehr brauchte es eigentlich nicht.
Diese einfachen Gerichte zeigen sehr schön, dass gutes Essen nicht automatisch kompliziert sein muss.
Was gab es zum Nachtisch?
Nach dem Hauptgericht war natürlich noch nicht Schluss.
Besonders für Kinder konnte der Nachtisch der wichtigste Teil des Restaurantbesuchs sein.
Eisbecher gehörten einfach dazu
Ein großer Eisbecher war für viele etwas Besonderes.
Je nach Gaststätte gab es unterschiedliche Kombinationen. Einer der bekanntesten ist bis heute der Schwedenbecher.

Typischerweise besteht er aus Vanilleeis, Apfelmus, Eierlikör und Sahne.
Die Kombination klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich, aber sie hat erstaunlich viele Fans.
Gerade solche Desserts sind heute fast kleine Zeitmaschinen. Ein bestimmter Geschmack reicht manchmal aus, und plötzlich ist die Erinnerung an einen früheren Gaststättenbesuch wieder da.
Pudding, Creme und Kompott
Auch Pudding, Cremespeisen, Quarkspeisen und Kompott standen auf vielen Speisekarten.
Kompott spielte damals überhaupt eine größere Rolle als heute. Eingekochte Kirschen, Pflaumen, Äpfel oder andere Früchte konnten als Nachtisch oder Beilage serviert werden.
Viele dieser einfachen Desserts verschwinden heute langsam aus dem Alltag. Umso schöner ist es, wenn sie in alten Kochbüchern und Rezeptheften erhalten geblieben sind.
Kuchen und Torten
In Cafés und Restaurants gehörten selbstverständlich auch Kuchen und Torten zum Angebot.
Je nach Region konnte es Eierschecke, Bienenstich, Obstkuchen, Creme- oder Sahnetorten geben.
Gerade die regionalen Unterschiede machten das Angebot interessant. In Sachsen war die Auswahl teilweise eine andere als an der Küste oder in Thüringen.
Auch hier zeigt sich wieder, wie schwer es ist, von „der DDR-Küche“ zu sprechen, als hätte sie überall gleich ausgesehen.
Was wurde in einer HO-Gaststätte getrunken?
Natürlich gehörten zu einem Restaurantbesuch auch Getränke.
Je nach Gaststätte und Zeitraum gab es Brause, Cola-Getränke, Fruchtsäfte, Mineralwasser, Bier, Wein, Sekt, Spirituosen und natürlich Kaffee.
Welche Marken und Sorten tatsächlich erhältlich waren, hing von Ort, Zeitraum und Versorgung ab.
Auch eine Getränkekarte konnte deshalb von Gaststätte zu Gaststätte sehr unterschiedlich aussehen.
Was kostete Essen in einer HO-Gaststätte?
Diese Frage lässt sich nicht mit einem einzigen Preis beantworten.
Dafür unterschieden sich Gaststätten, Gerichte, Preisstufen, Regionen und Jahrzehnte zu stark voneinander.
Ein einfaches Gericht war natürlich günstiger als ein aufwendiges Fleischgericht. Ebenso konnte ein Spezialitätenrestaurant ein anderes Preisniveau haben als eine einfache Speisegaststätte.
Deshalb sollte man vorsichtig sein, wenn einzelne historische Preise heute verallgemeinert werden.
Ein Preis aus einer bestimmten Gaststätte zu einem bestimmten Zeitpunkt galt eben nicht automatisch überall.
Interessant sind historische Speisekarten trotzdem. Sie zeigen sehr anschaulich, welche Gerichte angeboten wurden und wie sich das Preisgefüge ungefähr darstellte.
Stand wirklich immer alles zur Verfügung?
Zur ehrlichen Erinnerung an die DDR-Gastronomie gehört auch dieses Thema.
Nicht jedes Gericht, das auf der Karte stand, war jederzeit verfügbar.
Fehlten bestimmte Zutaten oder Produkte, konnte ein Gericht ausfallen. Manche Gäste kannten das wahrscheinlich sehr gut.
Das sollte man weder dramatisieren noch verschweigen.
Es gehörte einfach zur damaligen Realität.
Gleichzeitig wäre es genauso falsch, daraus zu schließen, das Essen sei grundsätzlich schlecht gewesen.
Es gab hervorragende Restaurants, durchschnittliche Gaststätten und sicherlich auch Häuser, die niemand besonders vermisst.
Kurz gesagt:
Es war Gastronomie – mit allem, was dazugehört.
War das Essen in HO-Gaststätten eintönig?
Diese Frage lässt sich ebenfalls nicht pauschal beantworten.
In einer kleinen Speisegaststätte konnte die Karte durchaus überschaubar sein. In größeren Restaurants oder Spezialitätenrestaurants war die Auswahl teilweise deutlich umfangreicher.
Deshalb sind Aussagen wie:
„In DDR-Gaststätten gab es immer nur fünf Gerichte“
zu einfach.
Genauso falsch wäre aber die Behauptung:
„Es gab jederzeit alles.“
Die Realität lag irgendwo dazwischen.
Und sie hing stark davon ab, wo und wann man essen ging.
Viele Gaststättengerichte haben die DDR längst überlebt
Besonders spannend ist, wie viele Gerichte von damals heute noch gegessen werden.
Soljanka findet man weiterhin auf Speisekarten.
Würzfleisch wird noch immer bestellt.
Steak au four wird in verschiedenen ostdeutschen Restaurants angeboten.
Jägerschnitzel aus Jagdwurst wird zu Hause nachgekocht.
Broiler versteht im Osten fast jeder.
Und Gerichte wie Rouladen, Gulasch, Bauernfrühstück oder Buletten haben ohnehin mehrere Generationen überlebt.
Das zeigt sehr schön:
Küchengeschichte endet nicht mit einem politischen System.
Rezepte werden weitergegeben, verändert, vergessen und manchmal Jahrzehnte später wiederentdeckt.
Typische Gerichte aus DDR-Gaststätten zum Nachkochen
Viele dieser Gerichte findet ihr heute auch wieder in Kochbüchern, Familienrezepten und auf unserer Seite.
Besonders häufig mit DDR-Gaststätten verbunden werden Soljanka, Würzfleisch, Ragout fin, Steak au four, Jägerschnitzel aus Jagdwurst, Broiler, Bauernfrühstück, Rinderrouladen, Gulasch, Buletten, Kochklopse, Schwedenbecher und Eierschecke.
Gerade solche Gerichte zeigen, wie unterschiedlich die damalige Gastronomie tatsächlich war.
Von einer einfachen Bockwurst bis zu einem überbackenen Steak war vieles dabei.
Und genau diese Mischung aus Alltagsküche, Hausmannskost und internationalen Einflüssen macht das Thema bis heute so spannend.
HO-Gaststätten waren mehr als nur Essen
Wenn ehemalige Gäste heute von ihren Restaurantbesuchen erzählen, geht es selten nur darum, was auf dem Teller lag.
Es geht um die Einrichtung, das Geschirr, die Speisekarte, die Bedienung, den Geruch im Gastraum und die Menschen, mit denen man dort saß.
Gerade weil ein Restaurantbesuch für viele Familien nicht mehrmals pro Woche stattfand, blieb er oft besonders gut im Gedächtnis.
Familienfeiern, Geburtstage und Jugendweihen
Für besondere Anlässe gehörte eine Gaststätte oft einfach dazu.
Vielleicht wurde dort ein Geburtstag gefeiert, eine Jugendweihe begangen, ein Hochzeitstag verbracht oder nach einem Sonntagsausflug gemeinsam gegessen.
Für Kinder war womöglich der Eisbecher am Ende wichtiger als das Hauptgericht.
Für die Erwachsenen war es dagegen vielleicht einfach schön, einmal nicht selbst kochen und anschließend abwaschen zu müssen.
Gerade solche scheinbar kleinen Erinnerungen bleiben erstaunlich lange erhalten.
Manche Gaststätten vergisst man nie
Fast jeder, der damals häufiger essen ging, kennt wahrscheinlich noch den Namen einer Gaststätte aus seiner Heimatstadt.
Vielleicht erinnert man sich sogar noch daran, wo man saß, wie der Gastraum eingerichtet war und welches Gericht man dort immer bestellt hat.
Manche wissen noch, welche Bedienung dort arbeitete.
Andere erinnern sich an Musik, an besondere Wanddekorationen oder an einen ganz bestimmten Geruch.
Genau solche persönlichen Erinnerungen machen Alltagsgeschichte lebendig.
Warum alte Speisekarten heute so spannend sind

Alte Speisekarten sind kleine Zeitdokumente.
Sie zeigen nicht nur, was gegessen wurde, sondern auch, welche Zutaten verfügbar waren, welche Gerichte als modern galten und wie sich Preise und Essgewohnheiten entwickelt haben.
Manche Namen wirken heute noch völlig vertraut.
Andere Gerichte sind beinahe verschwunden.
Und wieder andere erleben gerade ein Comeback.
Deshalb geht es bei alten Rezepten nicht nur darum, eine bestimmte Speise nachzukochen.
Es geht auch darum, ein Stück Alltag zu bewahren.

Wo wurde ein Gericht gegessen? Wie hieß es damals? Welche Zutaten wurden verwendet? Und wer erinnert sich heute noch daran?
Genau diese Fragen machen historische Küche interessant.
Hier findest Du weitere tolle Speisekarten aus der DDR!
Fazit: Von Soljanka bis Steak au four
Die Frage „Was stand auf der Speisekarte einer HO-Gaststätte?“ lässt sich nicht mit einer einzigen Musterkarte beantworten.
Dafür war die Gastronomie in der DDR zu vielfältig.
Es gab einfache Speisegaststätten, Cafés, Ausflugslokale, Hotels und Spezialitätenrestaurants. Regionale deutsche Küche traf auf Einflüsse aus Ungarn, der Sowjetunion, Rumänien, Bulgarien und anderen Ländern.
Trotzdem sind einige Gerichte besonders stark in Erinnerung geblieben.
Dazu gehören Soljanka, Würzfleisch, Steak au four, Broiler, Jägerschnitzel, Rouladen, Gulasch und Bauernfrühstück.
Manche davon werden heute noch genauso gern gegessen wie damals.
Andere wecken vor allem Erinnerungen.
Und einige sind nach Jahren plötzlich wieder beliebt geworden.
Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz alter Rezepte:
Man kann Geschichte nicht nur lesen – manchmal kann man sie sogar schmecken.
Jetzt seid ihr gefragt: Was habt ihr in der HO-Gaststätte bestellt?
Jetzt interessieren uns eure Erinnerungen.
Was habt ihr früher in einer HO-Gaststätte am liebsten bestellt?
War es eine heiße Soljanka, Würzfleisch mit ordentlich Worcestersauce, Steak au four, Broiler, Roulade oder vielleicht einfach eine Bockwurst?
Und gab es eine Gaststätte, an die ihr euch heute noch ganz besonders erinnert?
Schreibt gern in die Kommentare, wie die Gaststätte hieß, in welchem Ort sie sich befand und was ihr dort am liebsten gegessen habt.
Vielleicht erinnert sich sogar noch jemand daran, was das Gericht damals gekostet hat.
Gerade solche persönlichen Erinnerungen helfen dabei, ein kleines Stück Alltags- und Küchengeschichte zu bewahren.
Häufige Fragen zu HO-Gaststätten in der DDR
Was bedeutete HO in der DDR?
HO stand für Handelsorganisation. Die staatliche Handelsorganisation betrieb unter anderem Geschäfte, Hotels und zahlreiche gastronomische Einrichtungen.
Was gab es in einer HO-Gaststätte zu essen?
Das Angebot unterschied sich je nach Gaststätte, Region und Zeitraum. Besonders häufig mit der DDR-Gastronomie verbunden werden heute Soljanka, Würzfleisch, Steak au four, Broiler, Schnitzel, Rouladen, Gulasch und verschiedene kleine Gerichte.
Was war Steak au four?
Beim Steak au four wurde typischerweise ein Schweinesteak mit Würzfleisch belegt und anschließend mit Käse überbacken. Das Gericht wurde besonders stark mit der DDR-Gastronomie verbunden.
Was war Würzfleisch?
Würzfleisch war ein herzhaftes Fleischragout, das häufig in einer kleinen feuerfesten Form mit Käse überbacken wurde. Dazu wurden oft Toastbrot, Zitrone und Worcestersauce gereicht.
Gab es in DDR-Gaststätten internationale Gerichte?
Ja. Besonders Einflüsse aus der ungarischen, sowjetischen, rumänischen und bulgarischen Küche waren sichtbar. In größeren Städten gab es teilweise sogar spezielle Nationalitätenrestaurants.
Gab es überall dieselbe Speisekarte?
Nein. Gerichte, Preise und Verfügbarkeit unterschieden sich nach Gaststätte, Region, Zeitraum und Versorgungslage. Eine einzelne historische Speisekarte kann deshalb niemals für sämtliche Restaurants der DDR stehen.
Gab es in der DDR auch normale Schweineschnitzel?
Ja. Selbstverständlich wurden auch normale Schnitzel aus Schweinefleisch serviert. Das bekannte DDR-Jägerschnitzel aus panierter Jagdwurst war lediglich eine zusätzliche eigenständige Variante.