Als unsere biedere Kartoffel etwa um 1650 nach Deutschland kam, hatte sie Seltenheitswert und wurde in königlichen Lustgärten als Zierpflanze angebaut. Man nannte sie „die schöne Tartuffel“, und vornehme Hoffräuleins ordneten ihre Blüten sorgsam in kostbaren Vasen, wenn sie auch über den merkwürdigen Duft dieser Blüten insgeheim ihre Näschen rümpften.

Sehr bald aber kam man darauf, daß die Knollen, die an dieser peruanischen Pflanze hingen, eßbar sind, „so man sie in Wasser mürbe siedet und ihr dann die auswertige Haut abziehet“. Von nun an gab es kein Halten mehr, die Hofmundköche aller Länder wetteiferten darin, aus dieser ausländischen Frucht schmackhafte Gerichte zu bereiten.

Sie taten sie in Brühen von „wildem und zahmem Federvieh“, zerrieben sie zu „Puree“, versuchten alle Gewürze an ihr, schmorten sie in Fett und Sahne und legten sie in scharfe Marinaden ein. Aber sie hielten die Ergebnisse ihrer Versuche ängstlich geheim, und so kam es, daß die Kartoffel es vorerst schwer hatte, sich durchzusetzen, obwohl sie anspruchslos war und sich mit ärgerlicher Fruchtbarkeit auch außerhalb königlicher Gärten vermehrte.

Als man sie schließlich auf großen Flächen anbaute – das geschah in Sachsen erst um 1718 und in Preußen um 1739 – wurde sie bald eines der wichtigsten Volksnahrungsmittel. Und dabei ist es bis heute geblieben.

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