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Äpfel

Der Apfel ist unbestritten die am meisten verbreitete Kernobstart.

In der Mythologie des Altertums war er Symbol für Fruchtbarkeit und Liebe. Dionysos, der griechische Gott der Fruchtbarkeit, wurde als Schöpfer des Apfelbaumes angesehen. Er schenkte ihn Aphrodite, der Göttin der Liebe und der Schönheit. Daher rührt wohl der noch aus dem 16. Jahrhundert überlieferte Brauch, daß sich Liebende einen Apfel schenkten. Der Apfel galt aber auch als Sinnbild der Vollkommenheit und Weltherrschaft; zu den kaiserlichen Insignien gehörte der Reichsapfel. In den vielen Aussprüchen, Sprichworten und Erzählungen vom Apfel wird er fast immer als etwas Schönes angesehen – ein Beweis für die große Wertschätzung, der er sich seit Jahrhunderten er freut. Allerdings muß er in einigen Fällen zum Zankapfel geworden sein und Nachteil gebracht haben, zum Beispiel Adam und Eva, die wegen unerlaubten Apfelgenusses aus dem Paradies vertrieben worden sein sollen.

Küchenlexikon - Äpfel

Ob die Menschen der Frühzeit auf ihren Streifzügen nach Nahrung einen wirklich schmackhaften Apfel fanden, ist fraglich, obwohl der Kulturapfel ein beacht liches Alter hat. Bereits in der Jungsteinzeit soll es großfrüchtige Äpfel gegeben haben.

Wahrscheinlich liegt die Urheimat des kultivierten Apfels in den seit langem von hochentwickelten Völkern bewohnten Gebieten Vorderasiens. Noch heute kommen beispielsweise im Kaukasusgebiet regelrechte Obstwälder vor. Hier sind auch eine Reihe derjenigen Apfelarten verbreitet, aus denen vermutlich der Kulturapfel entstand. Man nimmt an, daß neben unserem heimischen Holzapfel auch der Paradiesapfel, der Beeren- und Kirschapfel beteiligt waren. Die Ägypter des Altertums haben den Apfel sicher nicht gekannt, aber in den Gärten Syriens war er heimisch. Griechen und Römer nannten bereits zahlreiche Apfelsorten, wie den Honigapfel, den Horaz in seinen Liedern besungen hat. Im antiken Rom gab es den Apfel bereits als wertvolles Tafelobst, so daß Tacitus den Apfel der Germanen abfällig als »ländliches Obst« bewertete.

Der Name Apfel stammt übrigens vom althochdeutschen apful ab – ein Beweis für sein Heimatrecht auch bei uns. Später sorgten für die weitere Verbreitung des Apfels vor allem die Klöster. Zur Zeit Karls des Großen im 8. Jahrhundert unterschied man schon süße und saure Daueräpfel, Koch- und Dörräpfel, Früh- oder Spätäpfel.

Der Apfel war im Mittelalter das am meisten verbreitete Obst in den Gärten. Später pflanzte man in den Bauerngärten vor allem die sogenannten Landsorten an, die jeweils nur in begrenzten geographischen Gebieten bekannt waren. In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche weltweit kultivierte, wohlschmeckende Hochleistungssorten als Tafelobst gezüchtet worden, und die Vielzahl der Apfelsorten wird immer mehr auf solche Sorten beschränkt.

Der weiße oder rosa Blütenflor des Apfelbaumes entfaltet sich im Mai; die Erntezeit der Äpfel währt von Juli bis Oktober. Für die Zeit der Pflückreife ist die Sorte maßgebend. Ebenso für die Genußreife, die oft erst nach längerer Lagerung in Kisten oder Horden in kühlen Kellern oder Lagerhäusern bei 80 bis 90 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit erreicht wird. So kann beispielsweise der >Klarapfel<, die früheste Apfelsorte, Mitte Juli gepflückt und bereits Anfang August verzehrt werden.

Die Sorten >James Grieve<, >Alkmene< oder >Carola< werden Anfang bis Mitte September geerntet und sind schon von Ende September/Anfang Oktober an genußreif. Letztere Sorte ist bis Dezember lagerfähig. Die Sorten >Cox Orange< und >Auralia< pflückt man erst Anfang Oktober, sie halten sich dann bis Februar/März, während zum Beispiel >Roter Boskoop<, >Herma< oder >Ontario< Ende Oktober vom Baum geholt werden und sich bis März/April (letztere Sorte sogar bis Mai) im Lager aufbewahren lassen.

Die Lagerräume müssen wöchentlich kontrolliert und alle fauligen Früchte ausgesondert werden. So ist der Apfel fast das ganze Jahr hindurch als Frischobst im Angebot. Bei der Ernte muß man aber darauf achten, daß die Früchte nicht verletzt werden und keine Druckstellen bekommen. Leichter Nachtfrost im Herbst schadet zwar nicht, wir dürfen aber niemals gefrorenes Obst ernten und ein lagern.

Heute werden die Äpfel in Plantagen und Gärten meist als Niederstämme, Büsche und Spindeln im Abstand von 2 bis 4 Metern gezogen oder auch in der modernen Heckenform, wobei sie niedrig bleiben und bereits 3 bis 4 Jahre nach der Pflanzung ansehnliche Ernten bringen. Sie sind aber schon nach 15 bis 25 Jahren durch neue Bäume zu ersetzen, während die früher viel gehaltenen Halb- und Hochstämme bis zu 60 Jahre alt werden.

Im zeitigen Frühjahr vor Aufbruch der Knospen wird ein Erziehungsschnitt durchgeführt. Es ist darauf zu achten, daß die Äste möglichst waagerecht stehen; man kann sie auch in Bodennähe bringen, indem man sie an Pflöcken anbindet, die fest in die Erde gesteckt werden. Der Apfelbaum benötigt durchlässigen, feuchten, mittelschweren, lehm- und humushaltigen, nährstoffreichen Boden. In Gegenden mit zu geringem Niederschlag im Sommer muß bewässert werden, vor allem bei leichten, sandhaltigen Böden. Im Gebirge kann man Apfelbäume noch bis 600 Meter Höhe anpflanzen.

Die meisten heute angebauten Sorten tragen regelmäßig jedes Jahr, manche bringen nur alle 2 bis 3 Jahre gute Erträge. Stark beeinträchtigt werden kann die Ernte durch Schädlinge, besonders den Apfelblütenstecher, einen Rüsselkäfer, der in die schwellenden Blüten knospen seine Eier legt, denen eine Larve entschlüpft, die die Blüte zerstört. Auch die Raupen des Frostspanners fressen sich in aufbrechende Knospen und führen zum Verlust der Blätter und Blüten, während der Apfelwickler erst nach der Blüte seine Eier an die kleinen Früchte heftet. Aus ihnen schlüpfen die Obstmaden, die sich in den Apfel einbohren und zur Notreife führen. Gegen diese Schädlinge hilft die Winterspritzung bzw. Nachblütenspritzung. Auch Apfelmehltau, eine Pilzerkrankung, kann durch Nachblütenspritzung mit Schwefelmitteln bekämpft werden. Gegen die Monilia- und Schorfkrankheit helfen vorbeugende Spritzungen mit Kupferpräparaten. Kranke Früchte sind sofort zu beseitigen. Keine Bekämpfung ist gegenwärtig noch beim Feuerbrand möglich, einer gefährlichen Bakterienkrankheit, die sich durch am Baum verbleibende braune vertrocknete Blätter bemerkbar macht und alle Kernobstarten befällt. Bei Verdacht auf Feuerbrand ist so fort das Pflanzenschutzamt zu informieren; der Baum muß dann entfernt werden.

Warum hat der Apfel den Vorrang vor allen Obstarten? Sicher nicht nur wegen des angenehmen Geschmackes, den ihm die vielen organischen Säuren verleihen, und wegen des hohen Nährwertes durch den nicht unbeträchtlichen Gehalt an Zuckerarten, die schnell vom Körper aufgenommen wer den, sondern auch wegen des hohen Pektingehaltes, dem wahrscheinlich vor allem der gesundheitliche Wert zuzuschreiben ist. Infolge des Quellungsvermögens nimmt Pektin Gärungserreger im Darm auf. Deshalb ist geriebener roher Apfel eine bewährte Diät bei manchen Darmerkrankungen. Das für unsere Gesundheit wichtige Vitamin C ist allerdings in den einzelnen Apfelsorten in recht unterschiedlichen Mengen vertreten. Die von vielen bevorzugten rotschaligen Äpfel sind in der Regel weniger vitaminreich als gelbschalige. Die meisten Vitamine befinden sich unmittelbar unter der Schale; deshalb sollten wir rohe Äpfel möglichst ungeschält genießen, nach dem sie gründlich gewaschen worden sind. Äpfel lassen sich gut lagern und transportieren und vielfältig verarbeiten.

Gedünstete Apfelstücke und Apfelmus schmecken gut mit Korinthen oder mit etwas Zitronenschale gewürzt oder wenn dem Kompott etwas Orangen saft zugesetzt wird. Geriebene rohe Äpfel mit geriebenen rohen Möhren (im Verhältnis 1:1), mit etwas Zucker und Zitronensaft abgeschmeckt, sind eine bekömmliche Rohkost, die man über lange Zeit im Jahr bereiten kann. Durch Auspressen des Saftes der in Stücke geschnittenen rohen Äpfel gewinnt man Apfelmost und schließlich nach einem Gärprozeß Apfelwein.

Roher Apfelsaft oder Saft aus gekochten Apfelstücken, durch ein Tuch gepreßt, mit Zucker im Verhältnis 1 :1 aufgekocht, ergibt Apfelgelee. Aus Apfelstücken kann man Marmelade und Konfitüre bereiten, die auch gut schmecken, wenn man sie mit anderen Früchten mischt, zum Bei spiel mit Beeren oder mit Pflaumen. Apfelstücke ohne Schale sind ein guter Kuchenbelag. Und schließlich sollen noch die Apfelringe erwähnt werden, in Scheiben geschnittene geschälte, vom Kernhaus befreite und dann zu Dörrobst verarbeitete Äpfel – eine Leckerei für Kinder oder mit Zucker, etwas Zitronenschale oder auch Zimt gedünstet, ein wohlschmeckendes Kompott.

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Seit alters sind Bratäpfel beliebt, die man heute gut im elektrischen Haushaltgrill bereiten kann. Kandierte Äpfel schließlich finden nach wie vor auf Volksfesten großen Anklang.

Die gesundheitsfördernde Wirkung des Apfels ist seit langem bekannt, ja, der Apfel ist die gesündeste und jedermann bekömmlichste Obstart. Wir wissen heute, daß das günstige Zucker-Säure-Verhältnis die erquickende und durststillende Wirkung des Apfels hervorruft.

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